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Die Luxenburg


1854
Johann Elias Lux, ein Salzunger Schneidermeister, eröffnet ein Bergwirtschaftslokal, das bald den volkstümlichen Namen „Luxenburg“ erhalten wird. Das Lokal stand im Gegensatz zu dem auf dem Seeberg errichteten Bürgerklubhaus, dem Domizil der wohlhabenden Salzunger Bürgerschaft.

Mit seiner Sommerwirtschaft wollte Lux nicht nur die Bürger ansprechen, denen der Bürgerklub auf dem Seeberg verschlossen blieb, sondern auch die Kurgäste des sich entwickelnden Kurbetriebes. Anlässlich der Eröffnung der Werrabahn inserierte der Schneider Lux am 31. Mai 1858 im Salzunger Wochenblatt die folgende

Einladung:

Ihr lieben Gäste kommt zu mir,
Bin wieder Wirt, schenk‘ Lagerbier!
Mit mancherlei wart ich noch auf,
Kommt nur zur Luxenburg herauf.
Der Mai ist da mit voller Pracht,
Der hat mich auf den Berg gebracht;
Das Pfingstfest ist kurz vor der Thür,
Musik und Tanz gibt’s dann bei mir.
Drum, Freunde, kommt zu mir herauf;
Bald könnt ihr sehn in vollem Lauf
Locomotiven auf der Bahn,
Mit fünfzig Wagen hintenan.
Und, liebe Gäste, dürft mir trau’n
Ich lass auch eine Bahn noch bau’n
Zu meiner Luxenburg herauf,
Wenn ich brav Lagerbier verkauf‘!
Die fährt euch gratis dann zu mir,
Wenn jeder trinkt zwölf Kannen Bier
Täglich, dann gibt’s ’nen Bratwurstschmauß,
Und jeder fährt dann froh nach Haus.
Das geht dann alle Tage so,
Das ganze Jahr in Jubilo;
Ihr glaubt am End‘, es wär‘ nur Jux?
Von Eurem Wirt und
Schneider Lux.

Ganz ohne Probleme schien die Luxenburg in ihren Anfangsjahren nicht gewesen zu sein wie Mitteilungen aus der damaligen Presse verkünden.

Anzeigen aus dem „Unterland“:

50 fl. Belohnung. Seit zwei Jahren nun schon zweimal von Brandunglück heimgesucht, sichere ich demjenigen 50 fl. Belohnung zu, der mir den Thäter dieser ruchlosen That entdeckt.

Um mich vor späterem derartigen Unglück zu schützen, bin ich gesonnen, die noch stehenden Gebäulichkeiten der Luxenburg auf den Abbruch zu verkaufen. Gleichzeitig will ich auch auf dem Wege der Auction mein dort befindliches Mobiliar, bestehend aus Tischen, Stühlen, Gläsern, Porzellan usw. in einem später bekannt zu machenden Termin verkaufen, lasse jedoch an Liebhaber vor der Auction obige Gegenstände gegen Baarzahlung ab. Auch ist eine gute Kuh zu verkaufen. Salzungen, den 6. März 1860
J.E. Lux

Alles auf die Luxenburg!!! Die von mir übernommene Luxenburg, mit der herrlichsten Aussicht der Bahnlinie entlang, werde ich bei der jetzigen prachtvollen Baumblüthe Himmelfahrt als Bayerische Bierhalle mit Musik eröffnen.

Ich ersuche das hiesige hochverehrte Publikum, das Wohlwollen, welches mir seither im Hirsch in so großem Maße zu Theil geworden ist, auch auf die Luxenburg folgen zu lassen. Für beste Speisen und Getränke, und zwar das Glas ausgezeichnetes Lagerbier zu 23 Kreuzer, ist stets gesorgt. Um recht zahlreichen Besuch bittet hochachtungsvoll
J. Putzmann
Salzungen, den 16.Mai 1860


Dem verehrten Publikum, sowie meinen werthesten Kunden, Gönnern und Freunden mache ich hiermit bekannt, daß ich von heute an die Luxenburg wieder übernommen habe, indem ich mich genötigt sehe, um ferneres Unglück zu verhüten, dieselbe gänzlich zu bewohnen. Ich werde daselbst mein bisheriges Geschäft so wie früher fortführen und ersuche daher meine wertheste Kunden höflichst, mir ihr Wohlwollen auch ferner schenken zu wollen. Bestellungen und Aufträge an mich können in meinem Hause oder bei dem Buchbinder und Stadtkirchner Ziller gemacht werden, welcher diese auf das Pünktlichste an mich besorgen wird.
Zugleich mache ich hiermit bekannt, daß Mittwoch, den 19.d.M. Tanzmusik auf der Luxenburg gehalten werden wird, wozu ich verehrliches Publikum höflichst einlade; für Speisen und Getränke wird bestens sorgen
J.E. Lux
Salzungen, den 15. September 1860
(Quelle: Heimatwarte, Beilage zum „Salzunger Tagesblatt“ v. 30.6.1923, mitgeteilt von Ernst Tenner)

1887
Der Gründer der Zigarrenfirma Friedrich Eckardt kaufte die Gastwirtschaft Luxenburg für 3600 M. Die Fabrikation im kleinen Kämmerchen im Hinterhaus auf dem Neuentor (jetzt Friedrich-Eckardt-Straße) und das kleine Häuschen, in dem die immer größer werdende Familie lebte, boten unzureichend Platz.
Nach dem Umbau der Luxenburg siedelte die 9köpfige Familie des Besitzers über. Auf Grund des guten Absatzes seiner Zigarren fanden viele Arbeiter in den folgenden Jahren und Jahrzehnten Anstellung in dem neuen Fabrikationsbetrieb.

Erschwerend in den Anfangsjahren war die Wasser- und Stromversorgung auf der Luxenburg. Alles Wasser musste in Eimern, die auf Rollen liefen, den Berg hinaufgezogen werden. Funktionierte die Anlage nicht, wurde das Wasser in Butten auf dem Rücken hinaufgetragen. Da es auch keine Zufahrtsstraße gab, wurden sämtliche Tabake auf Schiebekarren vom Bahnhof geholt und den steilen Berg hinaufgezogen. Wer im Winter den Rad- und Wanderweg Unter den Bergen entlanggeht, vermag die Spuren dieses alten Weges auf die Luxenburg hinauf noch vage zu erkennen.

1904 wurden neue Räume geschaffen: ein Stallgebäude mit Sortier- und Lagerraum.

Nach 1904 schloss die Gastwirtschaft. Ihre Räumlichkeiten wurden für die Zigarrenfabrikation genutzt.

Friedrich Eckardt verlangte von seinen Angestellten eine exakte und sauber ausgeführte Arbeit, um im Konkurrenzkampf erfolgreich bestehen zu können. Im Gegenzug sorgte er für gute Lohn- und Arbeitsbedingungen. Damit förderte er die Entwicklung der Sozialdemokratie in Salzungen maßgeblich.

1906 richtete die Saline ein Luft- und Sonnenbad auf der Luxenburg ein.

1908 bittet die Gemeinde um einen Zuschuss für den Straßenneubau nach der Luxenburg. Sie erhält 500 M.

1909 erfolgte die Fertigstellung der Straße. Die untere Strecke ist mit Basaltsteinen vollständig gedeckt.

Ende 1916 wird mit der Eröffnung der neuen Tabakfabrik in Allendorf (heutiges Gelände des Nettomarktes) die Zigarrenfabrikation auf der Luxenburg eingestellt.

1920 eröffnete ein Kaffeelokal auf der Luxenburg. Die Luxenburg beherbergte u.a. auch das Bibelheim Tabor.

1933/34 wurde die Luxenburg zu einer HJ-Herberge, später zu einem Jugendhof umgenutzt.

Nach dem Krieg dienten die Räumlichkeiten der Luxenburg als Wohnungen.

Nach dem Leerstand in den letzten Jahren dienen sie seit 2014 wieder als privater Wohnraum.

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